New Work News #3 Bossing – Wenn die Führungskraft zum Albtraum wird

Was ist Bossing?

Mobbing am Arbeitsplatz ist leider keine Seltenheit mehr. Die Betroffenen sehen sich einer wahren Tortur aus Schikane, Erniedrigung und ggf. Rufschädigung gegenüber, die sich nach und nach auch auf das Privatleben sowie die geistige und körperliche Gesundheit der Erleidenden auswirken kann. Handelt es sich bei der/dem Mobber/in um eine Person einer höheren Hierarchieebene als das Opfer, spricht man von Bossing. Laut der IG Metall ist davon auszugehen, dass Mobbing in folgenden Verteilungen stattfindet:

• Zu 44 % durch Kollegen
• Zu 37 % durch Vorgesetzte
• Zu 10 % durch Kollegen und Vorgesetzte gemeinsam
• Zu 9 % durch Untergebene

Bossing stellt für die Betroffenen meist eine noch größere Qual dar als Mobbing durch Kollegen. Denn hier bedeutet es, sich gegen die eigene Führungskraft zu stellen und somit den Arbeitsplatz zu riskieren. Denn das Perfide an dieser Art der seelischen Grausamkeit ist, dass die Handlungen sehr subtil stattfinden können, oft nur für das Opfer merkbar. Und selbst das Opfer merkt es manchmal erst, wenn sich seine Situation bereits soweit verschlechtert hat, dass es sich aus eigener Kraft kaum noch daraus befreien kann. Denn oft gehen Mobbing oder Bossing mit sozialer Isolation einher.

Was kann ich tun?

Bist du selbst gerade in dieser Situation? Oder kennst du jemanden, dem das widerfährt? Dann raten wir dir, folgenden Weg zu gehen:

Situation 1: Ich werde gemobbt

1. Brich dein Schweigen! Suche dir jemanden, dem du dich anvertrauen kannst.
2. Sprich mit Kolleginnen oder Kollegen darüber, denen du vertraust.
3. Schreibe jeden Vorfall mit Datum und Uhrzeit auf.
4. Wende dich an die Mitarbeitervertretung (Betriebsrat, Frauenbeauftragte, etc…)
5. Hole dir ggf. psychologische Hilfe
6. Fang an, dich zu wehren: bitte um ein Gespräch mit der/dem Betroffenen. Bestehe auf die Anwesenheit des Betriebsrates.
7. Wende dich, wenn nötig, an die/den Vorgesetzten der/des Betroffenen
8. Sorge dafür, dass es dir gut geht!

Situation 2: ich kenne jemanden, der gemobbt wird

1. Biete dich an! Mobbing-Opfer fühlen sich häufig allein, von allen isoliert. Mach deutlich, dass du auf ihrer/seiner Seite stehst.
2. Mach deutlich, dass du ihr/im glaubst. Oft wehren Mobbing-Opfer sich nicht, weil sie Angst haben, dass ihnen niemand glaubt.
3. Mach deutlich, dass es keinen Grund gibt, sich zu schämen und dass sie/ihn keine Schuld an dem Verhalten der/s Täterin/s trifft.
4. Begleite sie/ihn im gesamten Prozess und suche Beratungsstellen heraus oder stelle Kontakt zur Mitarbeitervertretung her.
5. Stehe ihr/ihm in Mobbingsituationen in aller Deutlichkeit zur Seite.
6. Stelle dich ggf. als Zeugin/Zeugen zur Verfügung.

Wenn gar nichts mehr hilft

Wenn sich deine Situation trotz dieser Maßnahmen nicht bessert, überlege ernsthaft, deine Versetzung zu beantragen oder deine Stelle zu kündigen. Dieser Gedanke ist beängstigend, das wissen wir. Aber wir wissen auch, wohin dich solch eine Situation führen kann: depressive Verstimmungen, Burn-Out, Langzeiterkrankung. Deshalb solltest du so schnell wie möglich einen Weg aus der Situation suchen. Wichtig, falls du eine Kündigung in Erwägung ziehst: die Agentur für Arbeit verhängt bei eigener Kündigung eine Sperre von 12 Wochen. In einem solchen Fall kann sie allerdings davon absehen. Um hier eine Chance zu haben, musst du darlegen, warum dir ein Weiterarbeiten in diesem Unternehmen nicht mehr zuzumuten wahr. Hilfreich können hier Krankschreibungen, psychologische Gutachten oder Schriftstücke der Mitarbeitervertretung sein. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass die Sperre aufgehoben oder gekürzt wird. Es gibt lediglich die Chance darauf.

Fachanwälte für Arbeitsrecht weisen immer wieder darauf hin, dass es selten von Erfolg gekrönt ist, gerichtliche Schritte einleiten zu wollen, da es schwierig ist, Mobbing hieb- und stichfest nachzuweisen. Also überlege dir gut, ob du diesen Weg gehen möchtest.

Was wir für dich entwickeln möchten

Mit unserer Crowdfunding-Kampagne möchten wir unseren virtuellen Assistenten im nächsten Jahr so weiter entwickeln, dass er dir in solchen Situationen zur Seite steht: mit einem Ratgeber, Links zu entsprechenden Anlaufstellen, Vernetzung zu Menschen, denen es genau so geht wie dir und einer direkten Durchwahlmöglichkeit zu uns, wenn du unsere Hilfe brauchst!

Wir sind für dich da!
https://www.startnext.com/new-work-rebels