New Work News #4 Burn-Out – Wenn die Erschöpfung unüberwindbar scheint

Liebe Rebellen,

zum Wocheneinstieg befassen wir uns mit einem schwierigen Thema: dem Thema Burn-Out (auf Deutsch: das Ausgebranntsein). Warum schwierig? Nun, fangen wir mal mit den üblichen Reaktionen der Menschen an, die von diesem Thema (bisher) nicht betroffen waren:

„Schon wieder so eine Modeerscheinung!“

Wie man es nimmt: das Burnout-Syndrom wurde zum ersten Mal im Jahr 1974 von dem klinischen Psychologen und Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger beschrieben.

„Das gab es doch früher bei uns auch nicht!“

Doch, gab es. Allerdings ist das Bewusstsein für solche Erkrankungen in der heutigen Gesellschaft ein ganz anderes.

„Die Jugend von heute kann auch gar nichts mehr ab!“

Vielleicht eher: „die Jugend von heute MUSS ganz schön viel abkönnen…“. Denn heute müssen die jungen Nachwuchskräfte viel mehr technisches und internationales Know-How mitbringen als früher. Durch die Digitalisierung und Globalisierung werden die Menschen vergleichbarer, die Konkurrenz größer, die finanzielle Sicherheit geringer.

Wird euch das  erste Problem  schon deutlich? Von Burn-Out Betroffene werden oft als „schwach“ abgestempelt. Eine Einschätzung, die nicht nur falsch sondern auch extrem gefährlich ist! Denn Hand aufs Herz: was würdet ihr tun, wenn ihr ein Problem hättet, das euch als Schwäche ausgelegt werden könnte? Ich kann euch sagen, was ich tun würde: ich würde alles daran setzen, diese Schwäche zu verbergen, anstatt mich jemandem anzuvertrauen und mir Hilfe zu suchen! Und damit würde ich meinen Zustand nur verschlimmern. Denn je mehr Energie ich in das Scheinbild meiner äußeren Stärke stecke, desto mehr treibe ich meine innere Müdigkeit voran…

Was uns direkt zum  zweiten Problem  bringt: was ist denn diese innere Müdigkeit eigentlich? Ist jedes Erschöpfungsgefühl ein Burn-Out? Ist jeder, der eine stressige Phase durchläuft, gefährdet? Ist ein Burn-Out mit einer Depression gleichzusetzen? Es wurden nach heutigem Stand mehr als 130 Symptome identifiziert, die zum Großteil Überschneidungen mit anderen Störungen oder Krankheitsbildern wie eben z. b. der Depression aufweisen. Das macht eine Diagnose sehr schwierig. Und ebenso die Behandlung…. Trotzdem hat Freudenberg gemeinsam mit seinen Kollegen 12 Phasen des Burn-Out-Verlaufs festgelegt, die wir für uns als Orientierung nehmen können. Nicht alle Phasen treten in der gleichen Intensität auf. Aber wenn wir solche Verhaltensmuster bei uns oder bei anderen bemerken, sollten wir hellhörig werden:

1. Phase: Der Zwang, sich zu beweisen
2. Phase: Verstärkter Einsatz
3. Phase: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
4. Phase: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
5. Phase: Umdeutung von Werten
6. Phase: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
7. Phase: Rückzug
8. Phase: Deutliche Verhaltensänderung
9. Phase: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
10. Phase: Innere Leere
11. Phase: Depression und Erschöpfung
12. Phase: Völlige Burn-Out-Erschöpfung

Ab Phase 4 ist es dringend ratsam, sich beraten zu lassen. Das könnte als erster Schritt die Mitarbeitervertretung sein, aber auch eine externe Beratungsstelle ist eine Möglichkeit.

Das  dritte Problem  ist das Umfeld der Betroffenen. Denn wie geht man jetzt mit „so jemandem“ um? Und noch einmal Hand aufs Herz: habt ihr euch schon einmal zu jemandem sagen hören, dass er oder sie einfach mal an was Schönes denken soll? Oder dass es ja noch viele andere gibt, denen es viel schlechter geht? Oder dass „es jetzt auch mal gut ist“? Würden wir das zu jemandem mit einem gebrochenen Bein auch sagen? Vermutlich nicht. Denn da SEHEN wir ja, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn jemand von Burn-Out betroffen ist, können wir nicht in sie oder ihn hinein schauen. Wir SEHEN die Verletzung nicht. Das heißt aber nicht, dass sie nicht da ist. Und auch psychische Verletzungen oder Zusammenbrüche müssen heilen. Und das braucht eben seine Zeit, bevor man wieder voll leistungsfähig ist. Bei einem Beinbruch würden wir ja auch warten, bis alles wieder verheilt ist, bevor wir jemandem sagen, dass sie/er wieder ohne Unterstützung laufen soll! Aber psychische Probleme von Angehörigen oder Freunden machen uns Angst, deshalb möchten wir diese Situation gerne etwas herunterspielen, um unsere eigene Angst nicht zuzulassen. Wir haben für euch ein wirklich schönes Kurzvideo von Brené Brown zu diesem Thema gefunden. Schaut es euch einfach mal an:

https://youtu.be/1Evwgu369Jw

Was wir für dich entwickeln möchten

Mit unserer Crowdfunding-Kampagne möchten wir unseren virtuellen Assistenten im nächsten Jahr so weiter entwickeln, dass er dir in solchen Situationen zur Seite steht: mit einem Ratgeber, Links zu entsprechenden Anlaufstellen, Vernetzung zu Menschen, denen es genau so geht wie dir und einer direkten Durchwahlmöglichkeit zu uns, wenn du unsere Hilfe brauchst!

Wir sind für dich da!
Deine New Work Rebels