Interview mit Rifka Pieper (ING)

Es gibt ein Unternehmen, dessen betriebliches Gesundheitsmanagement uns sehr überzeugt hat. Im Rahmen eines Vortrages haben wir von den hohen internen Teilnehmerzahlen erfahren und direkt ein Interview mit diesem Vorzeige-Unternehmen angefragt –  Rifka Pieper, Expertin Gesundheit, Beruf & Familie bei der ING in Deutschland 

  1. Rifka, wie sieht betriebliches Gesundheitsmanagement bei der ING in Deutschland aus?

    Bei der ING in Deutschland sind gesunde Mitarbeiter, die sich beruflich, als auch privat verwirklichen können, wichtig. Dabei unterstützen und „empowern“ wir, wie es in der weltweiten Strategie der Bank gelebt wird: „Empower people to stay a step ahead, in life and in business“. Wir sind überzeugt, dass nur so eine gute Mitarbeiterbindung möglich ist und wir mit dieser Kultur die richtigen Mitarbeiter finden. Das neu ins Leben gerufene Programm „WellbeING“ fördert diese Kultur. WellbeING steht nicht nur für die klassischen BGF-Maßnahmen. WellbeING steht für mehr. Es wurde ein BGM installiert, mit dem wir die Organisation als Ganzes betrachten und am Arbeitsplatz eine gesunde Arbeitsweise fördern. Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen sind unsere Quelle und Anregung für passgenaue Angebote und Programme. Dazu gehören unter anderem ergonomische Arbeitsplätze, mobile Arbeitsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, gesunde Fit-Menüs in der Kantine oder täglich kostenloses Obst und freie Getränke sowie Betriebssport, Bewegungsangebote, Kochkurse und Gesundheitsseminare. Zusätzlich haben wir Betriebsärzte vor Ort und bieten Resilienz-Coachings, ein Onlineportal gegen Stress, alle zwei Jahre Gesundheitstage und haben 8 Projekte, die aus der Psychischen Gefährdungsbeurteilung entstanden sind. Seit 2017 haben wir ein Gesundheitsbudget für Mitarbeiter. Das Budget in Höhe von über 300 Euro pro Jahr kann der Mitarbeiter im Rahmen von Förderkriterien bspw. für eine Mitgliedschaft in seinem Fitnessstudio, für eine Dauerkarte im Schwimmbad, Anti-Stressseminare oder externe Bewegungskurse individuell einsetzen. Der Vorteil: Mitarbeiter können das Budget, angepasst an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse einsetzen und so besser in ihr Leben integrieren – besonders willkommen bei Teilzeitkräften oder Eltern. Das Budget verfällt am Ende des Jahres, was natürlich ein starker Anreiz ist, sich die Frage zu stellen „was möchte ich mit meinem Budget für mich tun?“.

  2. Seit wann bist du in der Position “Expertin für Gesundheit, Beruf & Familie?

    Ich bin seit Oktober 2015 in dieser Position.

  3. Wie bist du zu dieser Position gekommen?

    Ich bin Diplom-Ökonomin und habe meine berufliche Laufbahn in der Unternehmenskommunikation der ING in Deutschland begonnen. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich die Herausforderung das Thema voranzutreiben und Programme zu entwickeln gerne angenommen. Natürlich hatte ich mich damals schon intensiv mit dem Thema Gesundheit auseinander gesetzt und die Chancen für ein Unternehmen erkannt.

  4. Wie sieht ein Tag mit dir als Expertin für Gesundheit, Beruf & Familie aus?

    Falls jetzt erwartet wird, dass ich morgens mindestens zwei Stunden jogge, nur Obst mit Müsli zum Frühstück esse und meditiere, muss ich leider enttäuschen. Mein Tag sieht gar nicht so anders aus, als bei anderen HR-Kolleginnen und -Kollegen. Ich arbeite oft in Projektteams und habe verschiedene Meetings. Da ein Arbeitstag oftmals vollgepackt ist und manchmal stressig sein kann, muss ich – wie jeder andere auch – auf mich achten. Da lege ich den Fokus auf die Terminplanung, Micro-Pausen und Spaß bei der Arbeit. Vielleicht mache ich das jedoch bewusster, als jemand, der sich nicht mit Resilienz und Bewegung beschäftigt. Aber dennoch denke ich, dass auf sich acht geben, auch ein Stück Arbeit ist – lohnenswerte Arbeit, soviel steht fest. In meiner Freizeit treibe ich viel Sport: ich mache Kick-Boxen und Yoga.

  5. Wie verändert sich das Zusammenleben zwischen den Kollegen? Wie ist das Feedback? Lassen sich alle darauf ein?

    Das Thema Gesundheit ist ein Megatrend. Dennoch lässt sich noch lange nicht jeder dafür begeistern, macht Bewegungskurse oder ist hingerissen von den angebotenen Workshops und Anti-Stress-Seminaren. Was immer gut ankommt sind Angebote, die mehr Individualität zulassen, wie unser Gesundheitsbudget. Manche engagieren sich begeistert gemeinsam mit Kollegen bei Betriebssport, andere wollen beim Yoga lieber nicht von den Kollegen beobachtet werden. Unser Motto: Alles kann, nichts muss. Wir haben – als Inspiration für die Mitarbeiter – eine ImPuls-Serie im Intranet installiert, so dass Kollegen anderen Kollegen erzählen, was sie mit dem Budget machen. Da sind tolle Sachen dabei wie Tanzen 60+, Kanga-Training für Eltern mit Kids, Stark wie Bambus-Resilienz-Seminar, Pound-Rockout-Kurse und vieles mehr.

  6. Was würdest du anderen Unternehmen in Bezug auf betriebliches Gesundheitsmanagement für die Zukunft raten?

    Trauen Sie ihren Mitarbeitern zu, sich um sich selbst zu kümmern!
    Ich habe beobachtet, dass es immer dieselben Kollegen sind, die die „klassischen“ BGF-Angebote nutzen – und zwar die, die sich ohnehin bereits mit Sport und Gesundheit gut auskennen und oft privat schon viel investieren. Die „Gesundheitsmuffel“, die die den inneren Schweinehund noch nicht überwunden haben, die haben wir meistens nicht erreicht. Es gab immer Ausreden, warum die angebotenen Aktionen nicht passten. Mit dem Gesundheitsbudget nehmen wir viele Nutzungshürden und zahlreiche Kollegen machen sich zum ersten Mal intensiv Gedanken, was ihnen gut tut und wie sie das Budget sinnvoll einsetzen. Das finde ich wunderbar! Wenn diese Mitarbeiter dann noch aktiv werden, haben wir eines unserer Ziele erreicht.

    Liebe Rifka, vielen Dank für das Interview.  Wenn ihr noch mehr Informationen  zu der ING möchtet, dann klickt einfach auf das Bild.